Titelgrafik - Aktuell

Veranstaltungsberichte

16.02.2009 - Bad Malente - zurück

Barrierefreiheit in die Köpfe!

Von einer Gemeinde ohne Barrieren profitieren alle – nicht nur Menschen mit Behinderungen. Bei Planung und Bau öffentlicher wie auch privater Vorhaben gibt es hier noch viel zu tun.

Das ist das Ergebnis eines Informationsaustausches, zu dem sich in dieser Woche (16.02.09) Vertreterinnen und Vertreter der AWO Malente mit dem Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen Dr. Ulrich Hase, dem Malenter Bürgermeister Michael Koch sowie Vertreterinnen und Vertretern der Fraktionen von SPD und Grünen in der Gemeindevertretung Malente trafen. Der Kontakt zu Dr. Hase kam auf Vermittlung der SPD-Landtagsabgeordneten Regina Poersch zustande.

Auslöser waren Feststellungen des Malenter AWO-Vorsitzenden Burkhard Thiel, dass Menschen mit Behinderungen in der Gemeinde Malente ein ums andere Mal mit Barrieren zu kämpfen haben – mal ist es der Zustand von Straßen und Wegen, mal das Hindernislaufen um Stühle, Warenaufsteller und Werbeschilder in der Malenter Bahnhofstraße. „Die AWO Malente wird hier gemeinsam mit dem Seniorenbeirat immer wieder auf Schwierigkeiten aufmerksam machen, mit denen ältere und auf verschiedenste Art gehandicapte Menschen zu kämpfen haben“, erklärte Burkhard Thiel.

Der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen ist dem Landtag direkt zugeordnet, den er bei Vorhaben, die Belange der Menschen mit Behinderung berühren, berät. Die Teilhabe behinderter Menschen am Leben in der Gesellschaft soll so aktiv gefördert und gleichwertige Lebensbedingungen angestrebt werden. Mit seiner langjährigen Erfahrung als Landesbehindertenbeauftragter wurde Dr. Ulrich Hase am 12.12.2008 vom Landtag für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt. Dr. Hase ist von Beruf Jurist und promovierter Hörgeschädigtenpädagoge.

Barrierefreies Bauen nahm breiten Raum des Gespräches ein. Barrierefreiheit so zu gestalten, dass sie wie selbstverständlich in das Alltagsleben integriert wird, ist das Ziel des „Universal Design“, so Dr. Hase. Architektinnen und Architekten seien im Allgemeinen zu wenig geschult, um die Anforderungen barrierefreien Bauens zu kennen und umzusetzen. So gebe es erst seit kurzem entsprechende Vorlesungen an der Fachhochschule Lübeck. Die oft gefürchteten Mehrkosten seien verschwindend gering, zumal im Vergleich mit den Kosten eines nachträglichen Umbaus.

Weil die Anforderungen wenig erforscht sind, könnte sich Bürgermeister Michael Koch für Malente die Begleitung einer Diplomarbeit vorstellen. Dazu sollen in Kürze weitere Gespräche geführt werden. Die Gemeinde könnte Vorbildwirkung entfalten und anderen Anregungen geben.

Bei Planungen der Gemeinde sollten Menschen mit Behinderungen ihre Wünsche und Bedürfnisse einbringen können. Regina Poersch: „Hier ist die Gemeinde gefragt. Ehrliche Beteiligung meint auch, Menschen zu ermutigen, sich einzumischen.“ Die Geschäftsordnung könnte hier klare Regelungen treffen, lautet der Vorschlag von SPD-Fraktionschef Jürgen Redepenning. Dabei dürfe die Gemeinde ihre Dörfer nicht vergessen.

Regina Poersch: „Eine barrierefreie Gemeinde ist vielleicht ein Traum. Wir können aber alle mithelfen, dass zumindest die Barrieren in den Köpfen verschwinden und wir umsichtiger planen und bauen. Die Gesprächsinitiative der AWO Malente ist ein wunderbarer Auftakt zu weiteren Gesprächen mit allen, die ihren Beitrag zur Barrierefreiheit leisten können.“

© pet2008 | Letzte Änderung:

MdL Poersch begrüßt die Teilnehmer (10.01.08)
Dr. Ulrich Hase bei der AWO Malente
Foto zeigt von rechts nach links:
Michael Koch, Burkhard Thiel, Regina Poersch und Dr. Ulrich Hase.