Titelgrafik - Aktuell
Regina Poersch in der Presse

21.03.2009 - Lübecker Nachrichten -                           zurück

Bericht aus Kiel

Beitrag von Regina Poersch am 21.03.2009 für den "Bericht aus Kiel" , den die LN jeden Samstag veröffentlichen und für den die Landtagsabgeordneten Beiträge liefern: 

Wer in der vergangenen Woche die Internationale Tourismusbörse in Berlin besucht und sich mit den Tourismusakteuren aus Schleswig-Holstein unterhalten hat, spürt den vorsichtigen Optimismus der Branche, von den konkreten Auswirkungen aktuellen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise verschont zu bleiben. Zwar besteht die Sorge, dass Menschen in unseren so genannten Quellmärkten ihren Arbeitsplatz verlieren und dann auf ihre Urlaubsreise verzichten werden. Doch insgesamt ist Urlaub in Deutschland der aktuelle Trend – und davon kann Schleswig-Holstein nur profitieren.

Mit der Umwerbung der inzwischen drei Zielgruppen – nach der „Wunnerland“-Kampagne für Familien mit kleinen Kindern und der „meer.stil“-Kampagne für anspruchsvolle Genießer werden seit der ITB die „Best Ager“ mit „meer.zeit“ angesprochen. Unsere Gäste werden genau jetzt, zu Krisenzeiten, für einen Urlaub in Schleswig-Holstein umworben, und das ist der einzig richtige Weg! In Zeiten wie dieser erwarten alle zu Recht, dass sich der Staat antizyklisch verhält und zum Beispiel Konjunkturprogramme auflegt, um den Unternehmen zu Aufträgen zu verhelfen und mit diesem Beitrag Arbeitsplätze zu sichern. Nachhaltige, verantwortungsbewusste Investitionen in unsere Zukunft müssen weiter möglich sein. Das wiederum bedeutet, dass wir flexible Lösungen anstelle einer starren Schulden-begrenzung brauchen. Mit einem absoluten Schuldenverbot gäbe es heute kein Konjunkturpaket! Die SPD-Landtagsfraktion tritt weiterhin ein für eine Schuldenbremse, die flexible Lösungen zulässt, und eine Altschulden-regelung, die deutlich über die angebotenen, für unser hoch verschuldetes Land unzureichenden 80 Mio. EUR hinausgeht und mit der sich ein strukturelles Defizit auch wirklich abbauen lässt. Wir brauchen zudem eine Steuerpolitik, mit der wir die Einnahmen des Staates sicherstellen können und die insbesondere diejenigen zur Kasse bittet, die für die jetzige Krise verantwortlich sind.

Alle bereiten sich also auf eine Zeit nach der Krise vor. Dazu gehört auch die aktuelle Diskussion um Hotelstandorte in Schleswig-Holstein, konkret an unseren ostholsteinischen Stränden. Zweifelsohne brauchen wir zusätzliche Hotels, zumal von hoher Qualität. Die Entscheidung jedoch, ob und in welchem Umfang ein Hotel entsteht, trifft die jeweilige Gemeinde- oder Stadtvertretung. Die Gemeindevertre-terinnen und Gemeindevertreter tragen Verantwortung für ihre Stadt oder Gemeinde – und zwar nicht nur für die städtebauliche Gestalt, sondern auch für die Auswirkungen auf Natur und Umwelt und die Frage nach dem Bedarf. Wenn nämlich ein Hotelbetrieb scheitert, sind Zweit- bzw. Eigentumswohnungen die Regel. Diese stehen dann eben nicht dem Tourismus zur Verfügung! Eine „Rollladensiedlung“ wirkt leblos und abweisend. Das kann in unseren schönen Tourismusorten niemand wollen! Es liegt also große Verantwortung auf den kommunalen Gremien. Dass sie dieser Verantwortung in sorgfältiger Abwägung aller Belange gerecht werden, dessen bin ich mir sicher. Auf keinen Fall brauchen sich Kommunalpolitiker, die nicht blindlings voluminösen Hotelvorhaben zustimmen, vom CDU-Wirtschaftsminister als kleinkariert beschimpfen zu lassen!