Titelgrafik - Aktuell
Rede Landtag - 18.06.2008

33. Tagung des 16. schleswig-holsteinischen Landtages, 18.-20. Juni 2008

Redebeitrag zu TOP 14 - Badequalität in Schleswig-Holstein
Antrag der Fraktion der FDP
(Drucksache 16/2116 pdf-logo externer Link, öffnet neues Fenster)

Gute Badegewässerqualität geht uns alle an!

Zunächst einmal Herzlichen Dank, Frau Ministerin Dr. Trauernicht, für Ihren Bericht. Die Badesaison 2008 startet, und da ist es gut, sich über die Qualität unserer Badegewässer zu unterhalten. Negative Schlagzeilen verunsichern unsere Tourismuswirtschaft, das können wir heute in den Zeitungen nachlesen.

Dabei ist die Badegewässerqualität gut! Wir haben es eben von der Frau Ministerin gehört. Wir müssen kontinuierlich daran arbeiten, diese Qualität zu halten, bzw. dort, wo sie schlechter ist, auf ein sehr gutes Niveau zu bringen.

Positiv hervorheben will ich das Informationssystem auf der Internetseite des Sozialministeriums. Dort kann man sich über die aktuell und detailliert über die Badequalität informieren.

Unter dem Strich gesagt: Man/Frau/Kind kann in Schleswig-Holstein in den allermeisten Gewässern sorglos baden – jedenfalls was die Gewässerqualität angeht. Andere Risiken nennt zum Beispiel die Broschüre des Sozialministeriums „Gesundes Baden in Schleswig-Holstein“: Steine, scharfkantige Muscheln, Scherben usw. Krokodile und gefährliche Haiarten sind bei uns zum Glück noch kein Problem.

Und dass man schwimmen können sollte und dass dafür Schwimmunterricht in Schwimmhallen erforderlich ist, habe ich schon in der letzten Tagung zum Thema Bäderförderung gefordert. Das Zurückfahren der Überwachung an Badestellen steht ebenfalls auf einem anderen Blatt.

Diese Art der Risiken meint der Antrag jedoch nicht, auch wenn in der Überschrift von „Badequalität“ anstelle von „Badegewässerqualität“ die Rede ist. Die gute bis exzellente Badegewässerqualität gilt erfreulicherweise vor allem für die Küsten, die von unseren Gästen so gern besucht werden. Dies ist eine wichtige Botschaft für unsere Tourismuswirtschaft. Diese Qualität wollen wir für alle schleswig-holsteinischen Gewässer.

Als ostholsteinische Abgeordnete könnte ich mich nun zurücklehnen: Der Kellersee mit dem Hamburger Strand in Sielbeck vor meiner Haustür ist sauber und laut EU-Bericht von „exzellenter“ Qualität. Sorge bereitet mir der Blick auf die Gewässergüte der Schlei und mehrerer Binnenseen in den Kreisen Pinneberg und Steinburg.

Wir sollten gemeinsam überlegen, was zu tun ist. Mit der Wasserrahmenrichtlinie haben wir eine internationale Verpflichtung, die Qualität unserer Gewässer in einen guten, besser noch sehr guten Zustand zu bringen. Wir wissen in aller Regel, woher die Verschmutzungen stammen, und können daraus Maßnahmen ableiten. Das Stichwort heißt „Badegewässerprofil“.

Dort, wo eben nicht sorglos gebadet werden kann, sollten wir uns gründlich mit den Ursachen hierfür befassen. Und uns beispielsweise fragen, wie wir Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft so reduzieren können, dass die Gewässer und damit schließlich der oder die Badende keinen Schaden davon trägt.

Während bei den direkten Einleitungen durch Neubau oder Modernisierung von Kläranlagen große Erfolge erzielt wurden, sind die diffusen Einträge immer noch ein großes Problem. Hier muss der Umweltminister verstärkt tätig werden. Zum Beispiel durch die Renaturierung von Mooren, die als Nährstoffsenken dienen oder durch ein anderes Düngemanagement der Landwirte. Davon würden vor allem die Seen kurz- und mittelfristig profitieren.

Im Küstenbereich ist es schwieriger, die Badequalität auf Anhieb zu verbessern. Denn die großen Nährstofffrachten geraten vor allem über die großen Flüsse in die Nord- und Ostsee. Hier ist nationale und internationale Überzeugungsarbeit gefragt. Wir müssen aber auch mit gutem Beispiel vorangehen.

Natürlich spielen auch Einleitungen chemischer Stoffe eine Rolle. Unser einstimmig angenommener Antrag der letzten Plenarsitzung „Keine Einleitung von Spülwasser mit Glutaraldehyd in die Ostsee“ gehört in diesen Kontext. Ein Erfolg in diesem Bereich war das europaweite Verbot des hochgiftigen Stoffes TBT (Tributylzinn) bei Antifoulingprodukten für Schiffe. Daran müssen wir anknüpfen und ein europaweites Verbot von organischen Bioziden diskutieren. In Schweden, Großbritannien und Dänemark sind sie bereits teilweise verboten.

Das ganze hat natürlich seinen Preis, aber wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass eine Verschlechterung der Wasserqualität noch mehr kostet. Allein ein Rückgang im Tourismus, diesem wichtigen Wirtschaftszweig Schleswig-Holsteins, würde uns vermutlich ein Vielfaches dessen kosten, was Maßnahmen gegen weitere Eutrophierung kosten.

Umgekehrt gilt: Wer eine sehr gute Badewasserqualität vorzeigen kann, kann damit gute Werbung betreiben. Ich denke da vor allem an Familien mit kleinen Kindern. Nicht von ungefähr läuten angesichts negativer Schlagzeilen bei den Touristikern unseres Landes alle Alarmglocken!

Was für unsere Gäste gut ist, kommt uns Einheimischen erst recht zugute. Eine gute Badegewässerqualität geht uns alle an.

In diesem Sinne wünsche ich eine fröhliche und unbeschwerte Badesaison!