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Verleihung des Anny-Trapp-Preises 2005 - 21.12.2005

Laudatio anlässlich der Verleihung des Anny-Trapp-Preises 2005 an den Verein „Dach über´m Kopf Eutin und Umgebung e. V.“ am 21. Dezember 2005 in Eutin

Traditionell wird der Anny-Trapp-Preis am 21. Dezember verliehen, dem Geburtstag der Namensgeberin des Vereins Anny-Trapp-Preis e. V. Anny Trapp, die engagierte und couragierte Eutiner Sozialdemokratin,
Stadtvertreterin, Kreispräsidentin und Landtagsabgeordnete, wäre heute 104 Jahre alt geworden.
Mit dem Anny-Trapp-Preis soll drei Tage vor Weihnachten denen Gutes getan werden, die das Jahr über eben nicht an sich denken, sondern an andere. Drei Tage vor Weihnachten werden die beschenkt, die anderen Gutes tun.

Der Anny-Trapp-Preis wird [Zitat] „an eine Bürgerin / einen Bürger bzw. an eine Gruppe von Bürgern aus dem Kreise Ostholstein verliehen (…) die sich durch ihr
soziales Engagement für Behinderte, Kinder und ältere Mitbürger ausgezeichnet haben (…)" [Zitatende], so will es die Satzung.
In diesem Jahr ist es dem Verein gelungen, einen Preisträger zu würdigen, der wie kaum ein anderer zusätzlich auch noch den Bezug zu dieser weihnachtlichen Zeit herstellt: Der Verein „Dach überm Kopf".
Der Verein „Dach überm Kopf" nimmt sich eines elementaren Grundbedürfnisses an, dass so wichtig ist wie das tägliche Brot: dem Bedürfnis nach Wohnen nämlich, eben dem Bedürfnis nach einem Dach
überm Kopf. Und so heißt er dann auch, der diesjährige Anny-Trapp-Preis- Träger: „Dach überm Kopf Eutin und Umgebung e. V." Der Name ist Programm.

Für viele von uns mag es selbstverständlich sein, zu wissen, wo wir die kommende Nacht verbringen werden, zu wissen, wo unser Zuhause ist. Für manch einen ist es das nicht. Obdachlosigkeit hat so viele Ursachen und Gründe. Die Vorstellung, von Obdachlosigkeit bedroht zu sein, fällt uns schwer. Und doch kann sie jeden treffen.

Prominentes Beispiel sind Maria und Josef, die, kurz vor Marias Niederkunft, nicht wussten, wo sie in Bethlehem bleiben könnten, geschweige denn, wo Maria ihr Kind zur Welt bringen könnte. Eingesprungen ist ein - mehr oder weniger hilfsbereiter - Wirt: Er stellte kurzerhand seinen Stall zur Verfügung, denn „sie hatten sonst keinen
Raum in der Herberge". Der Stall war nichts Besonderes. Schlicht, einfachste Ausstattung, eine provisorische Lösung. Aber: Ein Dach überm Kopf! Der Ausgang dieser Geschichte ist bekannt.

Und genauso wie damals brauchen wir auch heute Menschen, die anderen Menschen helfen, wenn sie in Not geraten sind. Wenn sie von einem Tag auf den anderen eben nicht mehr wissen, wo sie abends schlafen werden.

In Eutin übernimmt dies seit seiner Gründung im Jahr 1993 der Verein „Dach überm Kopf". Ehrenamtlich, ohne Zögern und ohne aufzurechnen. Die Anfänge des Vereins gehen zurück auf die ‚Eutiner Runde', einem regelmäßigen Treffen von Sozialarbeitern aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen in und um Eutin.
Diese Sozialarbeiter hatten Anfang der 1990er Jahre in ihrem beruflichen Alltag
die Auswirkungen der Wohnraumverknappung zu spüren bekommen – mit den Konsequenzen daraus folgender zunehmender Obdachlosigkeit und ganz erheblicher Schwierigkeiten in allen Bereichen sozialer Arbeit.
Wer kein ‚Dach überm Kopf' hat, der ist auch wenig empfänglich für andere soziale Hilfen. Leider bestehen oft genug Sachzwänge, die eine unkonventionelle Hilfe gerade in diesem Bereich nicht zulassen. Und so entstand die Idee, über einen gemeinnützigen Verein die Arbeit zu leisten, die die hauptamtliche Arbeit sinnvoll
ergänzt.

Das muss man sich einmal vorstellen: Hauptamtliche Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter gründen einen Verein, um ehrenamtlich und nach Feierabend das
zu tun, was sie im Hauptberuf gern täten, was ihnen aber aufgrund von bürokratischen Hürden und Sachzwängen nicht möglich ist: nämlich schnell und
unkompliziert Menschen zu helfen! Was täten wir ohne diesen ehrenamtlichen, freiwilligen Einsatz?

Im Verein „Dach überm Kopf Eutin und Umgebung e. V." sind seit 1993 Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter engagiert, die neben ihrer hauptamtlichen Tätigkeit versuchen, wohnungslosen Personen aus dem Nahbereich Eutins zu helfen. Ziel des Vereins ist es, seine ‚Klienten in festen und bezahlbaren Wohnraum zu vermitteln.

Angefangen hat alles in der Elisabethstraße 63 in Eutin. Dort wurde von Oktober 1994 bin zum Mai 2004 eine Notunterkunft betrieben, in der Personen kurzfristig
untergebracht werden konnten, die in akuten Notsituationen waren. Dieses Haus steht inzwischen nicht mehr. Wer es sucht, findet den neuen Anbau der Wilhelm- Wisser-Schule. Seit Mai 2002 steht dem Verein das Haus in der Wasserstraße 1 als Notunterkunft zur Verfügung. Eigentümer dieses Grundstückes ist die evangelische Kirche. Ein weiterer Dank ist an dieser Stelle notwendig und angebracht: der Dank an
den Kirchenkreis Eutin mit Herrn Propst Wiechmann. Sehr geehrter Herr Propst Wiechmann, vielen Dank, dass die Kirche dem Verein ein Dach überm Kopf geben konnte. Kostenlos, das möchte ich betonen. Christliche Nächstenliebe, ganz pragmatisch. Vielen Dank dafür.
Dabei ist mir wichtig zu betonen, dass der Verein sensibel genug ist, hier keine Einzelpersonen unterzubringen, womit nämlich Konflikte mit der Nachbarschaft quasi vorprogrammiert wären, sondern schwerpunktmäßig junge Familien oder allein erziehende Frauen mit Kindern.

In den 12 Jahren seit der Vereinsgründung und seit der Inbetriebnahme der Notunterkünfte haben viele Menschen einen festen Wohnraum gefunden. Keine Frage: Oft genug führen diese Menschen bei weitem noch kein sorgenfreies Leben. Aber mit einem ‚Dach überm Kopf' haben sie eine Sorge weniger!

Der Betrieb der Notunterkünfte ist das eine Arbeitsfeld des Vereins, aber nicht das einzige. Er hat, das ist seiner soliden und vertrauenswürdigen Arbeit in langen Jahren zu verdanken, einen festen Platz im Bewusstsein der Bevölkerung Dadurch ist es möglich, Hilfesuchende direkt in festen Wohnraum vermittelt.
Das Vertrauen in die Arbeit des Vereins wächst, die Akzeptanz steigt: Das ist dann an dieser Stelle Grund und Gelegenheit, der Eutiner Bevölkerung einmal
Dank zu sagen. Es ist gut zu wissen, dass die Menschen in dieser Stadt dem Verein ‚Dach überm Kopf' die Arbeit nicht unnötig schwer machen.

Seit 1995 ist der Verein außerdem in der Lage, seinen Klienten für Mietsicherheiten oder Kautionen Darlehen zur Verfügung zu stellen oder Bürgschaften zu übernehmen. Dies wird durch die Praxis am Wohnungsmarkt zunehmend wichtiger. Die Arbeit von ‚Dach über'm Kopf Eutin und Umgebung e. V.' bleibt auch in Zukunft wichtig und unverzichtbar. Leider. Zwar hat sich der Wohnungsmarkt insgesamt entspannt, dennoch benötigen Menschen in Wohnungsnot auch weiterhin die intensive Unterstützung des Vereins. Zusätzlich kommen zurzeit verstärkt Personen auf den Verein zu, deren
Einkommen knapp über der Hartz-IV-Grenze liegen und die beim Verein um ein zinsloses Darlehen bitten.
Womit wir beim Thema „Geld" wären. Jemand, der so großzügig und unkompliziert hilft, ist selbst auch auf Hilfe
angewiesen. Der Verein erhält bisher [abgesehen von einem Zuschuss der Stadt für laufende Mietkosten] keinerlei öffentliche Zuschüsse, so dass er vollständig auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen ist.

Hier, sehr geehrte Frau Kienzle, liebe Wilhelmine, hier kann dem Verein geholfen werden. Denn der Anny-Trapp-Preis ist eben nicht nur Lob und Anerkennung.
Beides braucht der Verein Dach überm Kopf auch.
Mehr noch aber braucht er finanzielle Unterstützung.
Ich freue mich sehr, dass der Anny-Trapp-Preis – immerhin dotiert mit 1.500 Euro, in diesem Jahr dem Verein Dach überm Kopf zugute kommt.

Liebe Wilhelmine Kienzle, wenn jemand in diesem Jahr den Anny-Trapp-Preis verdient hat, dann Sie und Ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Als Eutinerin bin ich froh und stolz, dass es so einen Verein in unserer Stadt gibt.
Ich gratuliere von Herzen zum diesjährigen Anny-Trapp-Preis und über den damit verbundenen Geldbetrag in Höhe von 1.500 Euro.
Herzlichen Glückwunsch!

Anny-Trapp-Preis e.V.
Anny-Trapp-Preis e.V.
Ueberreichung des Anny-Trapp-Preises 2005
Überreichung des Anny-Trapp-Preises 2005

Der Verein „Dach überm Kopf Eutin und Umgebung e. V." war der diesjährige Preisträger.
Vereinsvorsitzende Wilhelmine Kienzle nahm den Preis entgegen.